Zuletzt aktualisiert am 4. Januar 2022.

Sport kann bei Depression helfen oder eine Depression verschlimmern. Depression ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabu-Thema. Der Leidensdruck für Betroffene ist hoch, die Dunkelziffer an Erkrankten gewaltig und trotzdem wird viel zu wenig über das Thema Depressionen gesprochen. Natascha nimmt ihren Mut zusammen und schreibt über ihre Depression und wie Sport helfen kann. Das Leben hat seine eigenen Gesetze.

Depression ist immer mal wieder ein präsentes Thema in den Medien. Die Dunkelziffer an Betroffenen liegt schätzungsweise im zweistelligen Prozentbereich aber Betroffene berichten selten darüber. Die Scham ist groß, wenn eine depressive Episode über einen kommt. Depression im Sport und Sport als Hilfe bei Depression sind eng mit einander verknüpft und als Betroffene möchte das Thema hier im Blog aufgreifen.

Vage habe ich vor längerer Zeit schon einmal über meine Verletzungspausen gesprochen doch nie wirklich berichtet was passiert ist. Scham und Angst waren die Hindernisse. Nun nach mehr als einem halben Jahr möchte ich euch teilhaben lassen. Daran was mir wie vielen anderen vielleicht auch wiederfahren ist und womit ich bis heute zu kämpfen habe. 

Es begann im April nach unserem gemeinsamen Mallorca Urlaub. Sportlich in diesem Jahr mein Leistungshöhepunkt. Ich hatte es geschafft meinen Wochenumfang noch einmal deutlich zu erhöhen und hatte konkrete Ziele vor Augen. Als erste Frau in Deutschland das Everesting schaffen. Ich hatte begonnen ein Team aufzubauen , mir verschiedene Strecken angeschaut und den Trainingsplan abgestimmt. Ein Datum wurde anvisiert und alles lief super. Doch dann kamen die ersten Probleme.

Körperliche Beschwerden Teil einer depressiven Episode

Es begann mit Problemen im rechten Hüftbereich. Ich suchte Ärzte und Physiotherapeuten auf. Ließ mich krank schreiben weil an arbeiten mit den Schmerzen nicht mehr zu denken war. Niemand fand etwas konkretes. Eine Überbelastung wurde vermutet ich bekam Übungen und machte eine komplette Sportpause.

Ein gravierender Fehler. Ich hatte plötzlich viel Zeit. Ich musste nicht mehr auf die Arbeit und machte keinen Sport mehr und somit massig Zeit. Zeit um über vieles Nachzudenken oder besser um vieles zu realisieren. Ich hatte plötzlich Zeit mich umzusehen. Was war eigentlich in den letzten Monaten alles passiert?

Ich erkenne mich in depressiven Phasen nicht wieder

Was hatte ich neben Job, Sport, Kindern, Familie und Haushalt noch alles eingesteckt und unverarbeitet zur Seite geschoben. Was dann geschah kannte ich bisher nur aus Berichten oder Erzählungen. Ich wurde gereizter, meine Stimmung wurde immer destruktiver, ich wurde immer müder und antriebsloser. Ich zog mich aus sämtlichen sozialen Kontakten zurück und hatte 0 Toleranz allem ungeplanten gegenüber.

Die kleinsten Aufgaben überforderten mich und meine Gefühle fuhren Achterbahn. Einige harte private Schicksalsschläge gaben mir schließlich den Rest. Aus der ursprünglichen Krankschreibung entstand eine weitere aber diesmal nicht wegen körperlichen Ursachen. Ich hatte lange damit zu kämpfen zu realisieren das diese harte Zwangspause nötig war, wenn es irgendwann noch einmal Bergauf gehen sollte. Viele Tränen flossen und etliche Stunden verbrachte ich damit mich mit Hilfe von Literatur und Podcast mit mir selbst auseinander zu setzen. Wann hatte ich das eigentlich das letzte Mal gemacht?

Insgesamt blieb ich ein halbes Jahr zu Hause und rückblickend betrachtet war das auch dringend nötig. Im Oktober spielte ich erstmals mit dem Gedanken wieder arbeiten zu gehen und ich realisierte das ich auf dem richtigen Weg war. Viel war passiert.

Depression akzeptieren – Sport hilft

Der Entwicklungsstau der letzten Jahre brach sich Bahn und ich begann so einiges in meinem Leben umzustellen und zu verändern. Das Training hat mich während all dem immer wieder begleitet. Mal gelang es mir kontinuierlich zu trainieren mal sporadisch aber auf gab ich es nie. In all den schlechten Phasen konnte ich sicher sein, das Sport immer der sicherste Anker war mich zu stabilisieren und die glücklichen Momente zu Tage zu bringen.

Die wichtigste Erkenntnis, die ich während dieser Zeit aber gelernt habe ist, dass ich mich mit meinem Problem nicht verstecken brauche. Nur wenn ich mutig genug bin und darüber rede und ehrlich zu mir selbst bin habe ich eine Chance die Schatten zu verjagen. Am meisten geholfen hat mir hierbei meine Familie. Ich bin Daniel, der während der ganzen Zeit nie von meiner Seite gewichen ist, unendlich dankbar das er mich durch diese schwere Zeit begleitet hat. Und auch heute immer wieder hinter mir steht, wenn ich falle. Meine Kinder habe ich sehr früh ins Boot geholt und sie kindgerecht mit der Sache vertraut gemacht. Sie helfen mir heute in schwierigen Zeiten meine Stärken sichtbar zumachen und mit viel Freude die schwere zu vertreiben. 

Depression – kein Tabu Thema mehr

Warum ich hierüber so offen schreibe? Weil ich der Meinung bin das es nicht  nur für mich wichtig ist das Thema so offen anzusprechen, sondern es viele Menschen gerade auch im Sportbereich gibt die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Denn so sehr mir der Sport hilft ist er doch auch immer wieder ein Mittel vor der eigentlichen Problematik wegzuaufen.

Wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen wollt oder ihr Fragen oder Anregungen zum Thema Depressionen und Sport habt freue ich mich auf eure Nachricht.